Am 8. März war feministischer Kampftag. Neben vielen anderen Dingen betrifft auch die Klimakatastrophe vor allem FLINTA* -Personen (Frauen, Lesben, Trans, Inter, Nicht-binären*) und ist somit auch ein feministisches Thema. Die Klimakatastrophe verdeutlicht nämlich schon bereits bestehende ungleiche Machtverhältnisse, die auf Patriarchat, Kolonialismus und Kapitalismus beruhen.
Das zeigt sich zum Einen darin, dass beim Eintreten von Naturkatastrophen mehr FLINTA* als Cis-Männer sterben. Warnungen erreichen sie schlechter, weil sie sich oft zuhause aufhalten, sie dadurch zu spät gewarnt werden oder oft überlebenswichtige Infos z.B. nicht lesen können.
Sie übernehmen die größte Care-Arbeit und damit auch die Versorgung der Familie mit Ressourcen wie Wasser, Nahrung und Energie. Dabei wird ihnen aber der Zugang zu Ressourcen (wie Land, oder Bildung) verwehrt, sie haben weniger rechtlich gesichterte Besitzansprüche, sind nicht in Entscheidungsprozessen involviert, arbeiten häufiger in Landwirtschaft und im Haushalt, kümmern sich um die Familie und sind damit stark strukturell von Cis-Männern abhängig.
Wenn durch die Klimakatastrophe Wasser immer knapper und die Ernte immer schlechter wird, sind oft sie diejenigen, die Alternativen finden müssen. Das hat zur Folge, dass sich die Arbeitsbelastung für sie erhöht und die Zeit sich verringert, um Geld in Bildung zu investieren.
Wenn für Grundversorgung weitere Wege zurückgelegt werden müssen steigt ebenfalls das Risiko, körperlicher und sexualisierter Gewalt ausgesetzt zu sein. Auch bei steigenden Energiekosten fallen diese oft auf einkommensschwache Haushalte ab, die häufig von FLINTA*S, alleinerziehenden Müttern und Älteren geführt werden.
Wenn durch die Klimakatastrophe mehr Krankheiten und Epidemien ausbrechen, sind sie diejenigen, die sich um die Krankenpflege kümmern. Wenn durch die Klimakatastrophe bedingte Veränderungen Menschen zur Migration bewegen, bleiben meist FLINTA*s zurück. Allerdings oft ohne finanzielle und rechtliche Ressourcen, um für sich und ihre Familie zu sorgen.
Sie sind es, die oft durch die Folgen der Klimakatastrophe gehindert werden, ihre Ausbildung nicht fortsetzen zu können. Sie sind es, die keinen oder wenig Zugang zu notwendigen Ressourcen haben, um sich von Krisen zu erholen. Im Katastrophenfall verstärkt sich Marginalisierung und gerade beim Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen wie Wasser, Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung und Notunterkünften verstärkt sich die Diskriminierung.
Das verschärft sich noch einmal mehr für Menschen, die Mehrfachdiskriminierungen erfahren, wie z.B. Ableismus, Rassismus, Antisemitismus und/oder Klassismus.
Während Klimaproteste größtenteils von FLINTA*s getragen werden, finden ihre Forderungen in der internationalen Klimapolitik noch immer kaum Gehör. Wenn Cis-Männer Politik machen, finden die Bedürfnisse von FLINTA* Personen wenig Beachtung. Cis-Männer sind auch nach wie vor weniger engagiert in Umweltbewegungen. In Machtpositionen haben sie weniger Interesse daran, die Klimakatastrophe zu bekämpfen. Um ihren Reichtum zu erhalten und weiter auszubauen, vertreten sie oft kapitalistische, patriarchale Werte, die auf sozioökonomische Kontrolle und Dominanz setzen.
Es braucht mehr FLINTA*-Personen, die aktiv mit Entscheidungen treffen und diese umsetzen. Es müssen die strukturellen Probleme dahinter angegangen werden. Investitionen in Sozialsysteme und Infrastruktur sind am notwendigsten. Löhne müssen gerechter gemacht, soziale Berufe besser bezahlt, Sorgearbeit gerechter verteilt, Geschlechterrollen aufgebrochen werden.
Der Umgang mit dem Thema Feminismus von der Regierung zeigt sich also auch im Umgang mit der Klimapolitik. Diese fokussiert sich gerade auf fossile Wärmepolitik, die auf Gas und Biomasse setzt. Rohstoffe, die die Klimakatastrophe nur noch mehr befeuern und damit die Lage für FLINTA*s überall und vor allem im Globalen Süden noch prekärer macht.
Feminismus und Klimaschutz muss aber Hand in Hand gehen. Klimaschutzmaßnahmen dürfen nicht auch in patriarchal geprägten Denkmustern beschlossen werden. Fossile Energieträger müssen weg und Energie muss leistbar sein. Es muss verstanden werden, dass ungerechte Beantwortung von Klimafragen zu noch mehr Geschlechterungerechtigkeit führt.